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Kontakte   Ishevsk
Austausch zwischen dem Gymnasium Johanneum, Lüneburg, und der Schule 22, Ishevsk

Erster Gegenbesuch im Herbst 2002

Antonia Hausen: Begegnungen und Exkursionen

Der erste Abend in der Familie

Begegnungen mit den Jugendlichen

Besuche der Umgebung
In Staraja Monija
Fazit


Nach unserer aufregenden 20-stündigen Zugfahrt erreichten wir endlich Ishevsk.

Es war ein unglaubliches Gefühl, nach über einem Jahr die Gesichter unserer Freunde wiederzusehen, die von solch großer Freude und Neugierde strahlten, die ich ebenfalls voller Rührung empfand.

Groß war die Wiedersehensfreude bei der stürmischen Begrüßung auf dem Bahnhof von Ishevsk, hier bei Antonia und ihrer Gastschwester Anastassija

Antonia am ersten Abend mit ihren Gasteltern

Nach der ersten stürmischen Begrüßung, auch der meiner Gasteltern, die mir vom allerersten Anblick an mehr als sympathisch waren, machten wir uns mit dem Auto auf den Heimweg, wo wir unterwegs eine riesige, typisch russische Sahnetorte kauften, die wir zu Hause mit vielen weiteren Köstlichkeiten verspeisten. Ich merkte schon nach den ersten Minuten, dass ich 10 Tage lang verwöhnt werden würde, meine Gasteltern waren um alles mögliche besorgt, wollten mir hier und da etwas anbieten, wie oft sollte ich die Frage "Hast du Hunger?" in der Zeit noch hören? Sie wollten mir das Beste bieten, das merkte ich.
Es war diese einzigartige Gastfreundschaft, diese Natürlichkeit, Freundlichkeit und Offenheit, die mich mehr als beeindruckte, mich so rührte, dass ich fast ein schlechtes Gewissen hatte. Das empfand ich nicht zuletzt auch durch die Großzügigkeit, die mir trotz der bescheidenen Verhältnisse entgegengebracht wurde. Trotzdem fühlte ich mich in der Wohnung mehr als wohl, ich hatte ein gemütliches Zimmer, das ich mit meiner Gastschwester teilte, und abends saßen wir in der gemütlichen Küche, in der ich meine Gastgeschenke verteilte, die mit unbeschreiblicher Freude angenommen wurden, was mir nur deutlich machte, dass diese Menschen sich noch freuen können und einen Wert zu schätzen wissen. Es machte mir daher auch ungeheuren Spaß, als ich später von Deutschland erzählen musste, ja, ich musste, denn ich wurde mit Fragen gelöchert.

Antonia mit ihrer ganzen Gastfamilie


Es war ein sehr schöner erster Abend, an dem ich meine ganze Familie ins Herz schloss, was bis heute andauert.


Beim Begrüßungsabend sangen unsere Gastgeber: Wir steigern das Bruttosozialprodukt!

Aber auch die Jugendlichen in der Schule werden bei mir für immer einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch sie besitzen diese Eigenschaften wie Offenheit und Natürlichkeit, die sie einfach so liebenswert machen. Sie haben viel weniger Angst sich Blöße zu geben, was man daran merkt, wie musikalisch viele von ihnen sind, für sie ist Tanzen, Singen (siehe Bild links) und dazu vielleicht Gitarre spielen vor fremden Leuten etwas ganz normales, es gehört zu ihrem Leben, niemand schämt sich.
Wir wurden von dieser Art, die eine unglaublich schöne Atmosphäre, besonders am Begrüßungs- und Abschiedsabend, schaffte, einfach mitgerissen, auch wir sangen viel und es machte solchen Spaß! Sie wirken trotz ihrer Lebensumstände so unbeschwert und fröhlich, was mich sehr nachdenklich über mich selbst machte. Es war eine tolle, aber auch tiefgehende Erfahrung, das Leben dieser jungen Menschen kennenzulernen, die genauso alt sind wie wir, doch in einer so anderen Welt leben. Ich kann nur sagen, dass ich solchen Menschen noch niemals zuvor irgendwo begegnet bin …

Begrüßungsabend an der Schule 22 in Ishevsk: Die Gruppe, die uns 2001 in Lüneburg besucht hat. Leider konnten zwei ehemalige Schülerinnen nicht anwesend sein, weil sie mittlerweile studieren und in anderen Städten wohnen



Dieser Bus brachte uns in die udmurtischen Dörfer Staraja Monija und Malaja Purga (ja, Schnee hatten wir auch)

Neben vielen Ausflügen in Ishevsk unternahmen wir auch viele Exkursionen in andere Städte. Lag unser Ziel etwas weiter entfernt, bedeutete das immer eine lustige und ebenso aufregende Busfahrt durch die Weiten Udmurtiens. Aufregend, weil wir uns teilweise in tiefster Wildnis befanden und bei jeder kleinen Unebenheit der Straße, was nicht selten vorkam, darauf warteten, ob der Bus vielleicht dieses Mal auseinander brechen würde.
Es ging jedoch immer gut und trotz der schlechten Zustände der Busse war es wie gesagt immer recht amüsant und gemütlich.
Unsere erste Fahrt war am Mittwoch, den 2.10., und ging nach Votkinsk, der Geburtsstadt des berühmten russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowsky.
Dort sahen wir uns selbstverständlich dessen Geburtshaus an, das noch die originalen Möbelstücke enthält und uns zu recht mit Stolz präsentiert wurde.

Im Tschaikowsky-Museum findet man - neben alten Möbeln - auch einige Instrumente aus früheren Zeiten

Während unserer Fahrten konnten wir häufiger solche romantischen Bilder wie hier an der Kama (während der Fahrt nach Sarapul) sehen

Auf der zweiten Exkursion, zu der ich gleich noch ein paar Worte sagen möchte, erwartete man uns am Samstag, dem 5.10., in den udmurtischen Dörfern "Staraja Monja" und "Malaja Purga".

Der dritte und letzte Ausflug führte uns am Dienstag, dem 8.10., in eine Nachbarstadt Ishevsks, ins etwa 400 Jahre alte Sarapul, wo wir uns eine Wodka-Fabrik ansahen, was sehr interessant war, und auch die Möglichkeit des Erwerbs echten russischen Wodkas hatten.
Der Besuch in den Dörfern war eine besondere Erfahrung, erstens waren sie sehr schön, was im Sommer allerdings sicher besser zum Ausdruck kommt, und zweitens stießen wir auch dort wieder auf außergewöhnliche Menschen, die uns absolut warmherzig und lustig empfingen, indem sie uns echten "udmurtski schnaps", wie mir eine alte Frau erklärte, anboten.

Hier wurden wir vor dem entstehenden Zentrum der udmurtischen Kultur in Staraja Monija auf echt udmurtische Weise (u.a. mit Musik) begrüßt

In dem entstehenden Zentrum der udmurtischen Kultur in Staraja Monija wurden wir weiterhin auf echt udmurtische Weise begrüßt, hier mit Peripetschi

Es waren fast nur alte Frauen in traditionellen Gewändern, die vor einem kleinen Holzhaus (in Staraja Monija, siehe oberes Bild) auf uns warteten, in dem es viele kleine Souvenirs gab, die wir uns lange ansahen und auch einiges als Erinnerung mit nach Hause nahmen.

Mittendrin kamen die Frauen von draußen mit kleinen Körbchen herein, in denen kleine Pizzen lagen, genannt "Perepetschi" (siehe Bild links), die vorzüglich schmeckten und uns auch später noch häufiger als eine der vielen russischen Spezialitäten serviert wurden.
Danach wurden wir in den Speisesaal der Schule geführt, in dem ein riesiges Essen auf uns wartete. Wir setzten uns an die in U-Form aufgestellten Tische, bekamen eine Vielzahl an Köstlichkeiten aufgetischt, von denen wir gerade einmal die Hälfte in der Lage waren zu essen.
Währenddessen hatten die Frauen den Raum betreten und begannen für uns zu singen und tanzen (siehe Bild rechts), wie wir es schon so oft erlebt hatten, doch dieses Mal verspürte ich ein unbehagliches Gefühl, da wir dort saßen und uns die Bäuche vollschlugen, während diese unglaublich freundlichen Frauen uns ein Stück in ihre Heimat entführen wollten.

In der Schule in Staraja Monija wurde uns nicht nur aufgetischt. Und zu unserem Erstaunen erfuhren wir, dass auch dort Deutsch unterrichtet wird


Es war trotzdem wunderschön und ich sah den Stolz und das Leuchten in ihren Augen, das mir heute noch in Erinnerung ist, und hoffe, dass sie es auch in unseren Augen sahen, da sie mich und sicherlich auch alle anderen mit ihrer Heiterkeit und Lebensfreude so sehr beeindruckten, welche man ihnen trotz der Lebensverhältnisse, nämlich keine Straßen, kein fließend Wasser, keine richtige Toiletten und keine Heizung bei minus 30 Grad im Winter, ansah.

nach oben Autor: Antonia Hausen Web:EmailRainer Kunze Datum: Herbst 2002. Letzte Änderung am 05. November 2004
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