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Austausch zwischen dem Gymnasium Johanneum, Lüneburg, und der Schule 22, Ishevsk

Erster Gegenbesuch im Herbst 2002

Gisela Müller: Wie schafft ihr das nur?

Diese Frage stellte ich meinen Begleiterinnen, nachdem ich gründlich die Preise im Kaufhaus studiert hatte.

Waren gab es in Hülle und Fülle, einheimische und westliche wie östliche Produkte. Nivea: vorhanden, Siemens: anwesend, Nescafé: der meistgekaufte. Aber das Geld reicht hinten und vorne nicht. Lehrer verdienen mit 18 Pflichtstunden ca. 2.300 Rubel. Während unseres Aufenthalts stand der Kurs 1 : 31, danach also 74 €. Diese Umrechnung ist natürlich nicht sachdienlich, denn es muss bekannt sein, wieviel eine Ware kostet. Eine Busfahrkarte schlägt mit 3,5 R zu Buche, macht 0,15 % des Lehrereinkommens. Es gibt allerdings keine Umsteigekarten. Wechselt man die Linie, muss man neu bezahlen. Also geht man viel zu Fuß.

Hier sind die Deutschlehrerinnen der Schule 22 zu sehen; dieses Foto wurde während des Abschiedsabends aufgenommen


Modisch sind die Russinnen angezogen, viele tragen die neuen Stiefel: vorne spitz, hohe, schmale Hacken. Sie kosten im Kaufhaus 1.700 R, also 73,9 % des Lehrergehalts. Deshalb gibt es die vielen kleinen Marktstände, dort sind die Schuhe billiger.

Die Frauen sind berufstätig. Haben sie die elektrischen Maschinen, die die Hausarbeit erleichtern? Ja, schon, aber welches Modell mit wie vielen Jahren auf dem Buckel?

Im Kaufhaus kostet eine Waschmaschine ca. 10.000 R, also 4,34 Monatsgehälter. Will man noch Ökologie berücksichtigen und einen geringen Wasser- und Elektrizitätsverbrauch erreichen, so muss man schon 15.000 R hinblättern, also 6,5 Monatsgehälter. Man kann sich also gut vorstellen, wo das ökologische Bewusstsein bleibt.

Waren des täglichen Vergnügens kosten:
1 Flasche Bier: 15 R
1 CD: 90 R
Zigaretten: 13 - 30 R

Hier sind wir privat eingeladen worden. Eine gemütlich eingerichtete Wohnung, und wir hatten viel Spaß

Diese Beispiele mögen genügen um zu zeigen, dass der Lebensstandard in Russland nur langsam steigen kann und das modernste Gerät nicht unbedingt verwendet wird. Man muss sich entscheiden, welche Jahresanschaffung man tätigen will, und dann kräftig sparen. Man arbeitet doppelt so viel, wie man als Pflicht hat. Meine Gastgeberin z.B. arbeitet 42 Stunden als Lehrerin. Unsere Haushalte wirken deswegen nicht umsonst als Paradiese. Vielleicht täte auch uns ein wenig Bescheidenheit ganz gut.

nach oben Autor: Gisela Müller Web:EmailRainer Kunze Datum: Herbst 2002. Letzte Änderung am 05. November 2004
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