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Austausch zwischen dem Gymnasium Johanneum, Lüneburg, und der Schule 22, Ishevsk

Erster Gegenbesuch im Herbst 2002

Seda Sirin: Familie, Freunde, Gastfreundschaft ...

Ankunft in Ishevsk

Leben in der Familie

Freunde


Ankunft in Ishevsk: Ich hatte einen außergewöhnlichen Fall, mit dem ich nicht gerechnet hatte:

Uns war bei unseren Vorbereitungstreffen auch etwas über Verhältnisse in Russland erzählt worden, und somit war ich auf alles, aber wirklich alles gefasst.

Was würde mich hier erwarten? Eine kleine Hütte mit der Toilette im Garten? (Dieses Foto stammt aus dem udmurtischen Dorf Staraja Monija)

Oder Plumpsklos? (Auch dieses Foto stammt aus Staraja Monija)

Wir wurden auf dem Bahnhof von Ishevsk stürmisch begrüßt, hier Antonia von ihrer Gastschwester Anastassija


Meine ehemalige Gastschwester sagte mir, dass ich bei einer Freundin von ihr bleiben sollte, da ihre Wohnung zu klein war. Ich fand die Idee nicht sehr schön, aber was sein musste, musste sein.

Ich kam also an, und mein "neuer" Gastvater begrüßte mich mit einem "Grüß Gott!". Das fand ich wahnsinnig toll!
Wir gingen also zum Parkplatz, und ab da war ich gespannt, denn man konnte ja gewissermaßen schon an dem Fahrzeug erkennen, in was für einem Familienstand man die nächsten 10 Tage leben wird. Und als ich dann da war, guckten mich lauter dieser alten russischen Autos (Blechkisten, sorry!) an.

Als wir uns dann aber immer mehr einem recht neuen Nissan Jeep näherten und ich kurz darauf meinen Koffer durch das Fenster im Kofferraum sah, war ich sichtlich erstaunt und überrascht.

Hier kann  man den Verkehr auf der Puschkinskaja, einer der wichtigsten Straßen Ishevsks, sehen

Auch dieses Denkmal gehört zu einer Stadtführung in Ishevsk dazu: Hier wird der Soldaten des sogenannten Großen Vaterländischen Krieges (des Zweiten Weltkriegs) gedacht. Vor dem Denkmal brennt ein ewiges Licht

Meine ehemalige Gastschwester meinte im selben Moment, dass ich für die nächsten 10 Tage "Miss V.I.P." sei. Dort verstand ich diesen Satz noch nicht!

Als wir losfuhren, bemühten sich alle mir alles zu zeigen: "Dies ist ein Denkmal von ...", "Das hier ist ..."

Dieses Aufregende, dieses Freuen darüber, dass ich dort war, gab mir sofort das Gefühl geborgen zu sein. Ich fühlte mich gut, ich fühlte mich wirklich willkommen.
Trotz alledem war ich noch immer wahnsinnig gespannt auf die Wohnung. Und je mehr man mich in dieser Stadt herumfuhr, desto verschiedener wurden meine Erwartungen.

Ich sah diese heruntergekommenen Hochhäuser und wollte mir gar nicht vorstellen, wie die von innen aussahen!

Leben in der Familie: Endlich kamen wir dann an und ich dachte, dass dieses Hochhaus sich ja nicht großartig von den anderen unterscheide ... bis ich mich dann näherte!

Man kam zuerst durch eine Tür in einen kleinen Raum, wo hinter einem Glaskasten zwei Wachmänner mit Kameraüberwachung saßen. Dann wieder raus. Stand dann also wieder draußen.

Mit einem kleinen Code gelangte man dann in das eigentliche Haus und nach einer Stahltür, einem Fahrstuhl, fünf Stockwerken, einer weiteren Stahltür und einer Holztür sogar in die Wohnung, welche aus fünf Zimmern bestand und mindestens 200 m2 groß war.
Ich hatte mein eigenes Zimmer, und von Plumpsklos nicht die Spur!

In diesem Hochhaus wohnte ich nicht; es ist nur ein Beispiel für den Zustand, in dem sich in Ishevsk viele Hochhäuser leider immer noch befinden

Ich hatte mein eigenes Zimmer, das ganz nach westlichem Geschmack eingerichtet war. In diesem Moment erkannte ich, dass ich bei wirklich reichen Leuten gelandet war

Ich sah in dem Moment, dass ich bei wirklich reichen Leuten gelandet war.

Die ganze Familie kam, und ich durfte (musste) am Kopf des Tisches sitzen und wurde mit Kaviar und uraltem Rotwein bedient.
Noch dazu: Bei der einen Wohnung blieb es nicht!

Meine ehemalige Gastschwester Ramzija, die eher aus den ärmeren Verhältnissen stammt, erklärte mir vieles, was ich zunächst ziemlich komisch fand!
Zum Beispiel versuchten mein Gastvater und meine neue Gastschwester Lena mir jeden Wunsch zu erfüllen und hätten den ganzen Supermarkt für mich leergekauft, wenn ich es nur gewollt hätte. Doch die Tatsache war eben, dass ich gar nichts wollte, obwohl sie mir mindestens 20 Sachen vorgeschlagen hatten.

Ramzija sagte daraufhin leise zu mir: "Lass es dir einfach kaufen! Du musst es ja nicht essen. Aber lehn nicht immer ab! Das macht sie nur traurig."

Dieser Satz half mir während der ganzen 10 Tage!

Meine Gastschwester Lena

Solche Dinge sind es eben, die ich mit Gastfreundschaft verbinde. Es hat positive, aber doch auch negative Seiten!
Das Negative liegt irgendwo darin, dass sie sich so sehr genieren, anstatt das Kind beim Namen zu nennen. Das ist lieb gemeint, führt aber auch oft zu Missverständnissen.

Auf diesem Bild, das auf einer unserer zahlreichen Partys entstanden ist, kann man sehen, wie gut wir miteinander ausgekommen sind

Freunde: Das Leben in der Familie war immer etwas angespannt. Ganz anders unter den Schülern, die in kürzester Zeit unsere besten Freunde wurden.

Am Anfang war natürlich alles etwas neu, sowohl für sie als auch für uns, aber schon am zweiten Tag machten wir unsere tolle Party [und das bei einer Lehrerin zuhause!]

Auf unserer ersten Party (der bei der Lehrerin zuhause!)

Es blieb nicht bei dieser einen Party.

Es war toll, dass wir uns alle so schnell so gut verstanden hatten. Wir haben nur noch gefeiert.
Und uns fiel aber auch immer etwas ein, wie wir unseren Abend gemeinsam gestalten konnten.

Wir feiern immer noch (genau: die Party bei der Lehrerin zuhause)

It's partytime again!

Dort tauchte dann auch immer wieder das "Miss V.I.P." mir gegenüber auf, und ich verstand mittlerweile, was sie meinten: Anstatt zu Fuß zu gehen, fuhren wir immer mit dem Taxi oder wurden gebracht. Erst als ich meinte, ich könne den Kilometer zur Schule auch zu Fuß gehen, fingen wir damit an.

Dieses Bild wurde während des Abschiedsabends in der Schule 22 aufgenommen und zeigt (mehr oder weniger) die ganze Gruppe, mit der wir unsere Zeit in Ishevsk verbracht haben

Im Ganzen kann ich aber nur sagen, dass ich alles, wirklich alles zu schätzen wusste.
Meine Familie war eben immer zuvorkommend, und ich habe einfach die tollsten Menschen der Welt kennengelernt.
Ich denke auch, dass ein Teil von mir dort geblieben ist, und wenn ich nur einen Grund nennen sollte, warum ich nächstes Jahr wieder losfahren möchte / will, dann ist das die Menschlichkeit dort.
Das dort sind meine Freunde!
Und darauf bin ich stolz!

nach oben Autor: Seda Sirin Web:EmailRainer Kunze Datum: Herbst 2002. Letzte Änderung am 05. November 2004
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