"Rockmusik. Der Einfluss der modernen Rockmusik auf das Hörverhalten"

Der Einfluss der akustischen Massenmedien auf das Hörverhalten

Rockmusik

Der Beat

Der Blues-Rock

Der Underground oder Polit-Rock

Jazz-Rock

Classic-Rock

Russischer Rock

Der Einfluss der akustischen Massenmedien auf das Hörverhalten.

Wir verstehen unter "Massenmedien" oder "Massenkommunikationsmitteln" technische Verbreitungsmittel für "Kommunikationen", das heißt für Botschaften und Signale, durch die wir uns untereinander verständigen. Charakteristisch für die Massenmedien - im Unterschied etwa zu Telefon und Briefverkehr - ist, dass die Signale die Medien immer nur in einer Richtung durchlaufen und an eine Vielzahl von Empfängern gerichtet sind. Die Massenmedien lassen sich in optische (Plakate, Presse), optisch-akustische (Kino, Fernsehen) und akustische (Radio, Schallplatte) gliedern. Jedes Medium ist Bestandteil eines Kommunikationsfeldes, in dem wir die folgenden Faktoren zu unterscheiden haben: Eine Instanz, die an der Herstellung einer Aussage in irgendeiner Form beteiligt ist, "Kommunikator" genannt, eine einer Aussage in unserem Fall Musik, Geräusche oder Sprache, das Medium, hier beschränkt auf die akustischen Medien Rundfunk und Schallplatte und den Kommunikationspartner, den Hörer.

Mit Hörverhalten ist ein komplexer Vorgang gemeint, der sich in die Fragen gliedern lässt:
- Welche Art von Musik wählt der Hörer aus - sofern er nicht wahllos konsumiert, was die Sender ausstrahlen - und
- wodurch ist diese Wahl bedingt?
- Welchen Grad von Aufmerksamkeit bringt der Hörer der Musik entgegen und
- wovon ist die Aufmerksamkeit abhängig?
- Welche Funktion hat die Musik für den Hörer?
- Wie verhält er sich beim Hörer und
- welche Unterschiede des Hörverhaltens gibt es bei den verschiedenen Medien?

Von vorn herein sei betont, dass der Einfluss durchaus nicht einbahnig von den Medien zum Hörer verläuft. Der Hörer hat auch die Möglichkeit, über Hörerpost, Hörerbefragungen, über die Vertretung der öffentlichen Interessen im Rundfunkrat, nichts zuletzt durch Betätigung des Abschaltknopfes, bei Schallplatten durch seine freie Entscheidung über den Kauf und damit über den kommerziellen Erfolg, auf die Medien Einfluss zu nehmen. Kommunikator, Aussage, Medium und Hörer stellen also einen Regelkreis mit einem Geflecht von Wechselbeziehungen zwischen allen Faktoren dar.

 

Rockmusik

Der Begriff "Popmusik" wird in Deutschland in doppelter Hinsicht gebraucht: Er bedeutet einerseits "leichte Musik" oder U-Musik im weitesten Sinne (also Beat, Schlager, Chanson, Tanzmusik und andere), und er bezeichnet anderseits - wesentlich eingeengt - die vom harten, "Beat" bestimmte, vom "Rhythm and Blues" herkommende "Rockmusik" mit ihren Vorläufern und Nachkommen. Von dieser Popmusik im engeren Sinne, die in Europa meist "Beat" oder "Pop", in der USA "rock" genannt wird, soll in den folgenden Kapiteln die Rede sein.

Der nachstehende "Stammbaum" gibt einen Überblick über die Entwicklung der Popmusik seit den 50er Jahren und deutet die Beziehungen der verschiedenen Stilarten untereinander sowie zum Blues, zur Folklore und zur europäischen Klassik an.

Die moderne Popmusik beginnt mit dem Rock’n’Roll. Der "weichen", gefühlsseligen Schlager- und Tanzmusik der 30er und 40er Jahre überdrüssig, wendet sich die junge Generation um 1954/55 voller Begeisterung den harten Rhythmen und der hemmungslos Ausgelassenheit des Rock’n’Roll zu - und dies so vehement, dass viele Eltern und Kritiker meinen, "eine Revolution sei ausgebrochen". Tatsächlich ist der Rock’n’Roll ursprünglich mehr als nur ein neuer Musikstil. Er ist die Art "Generationssymbol", das die Teens und Twens der 50er Jahre vereint und mit dem sie gegen die ältere Generation und deren Normen und Lebensvorstellungen protestieren. "Protest gegen etwas oder alles!" war ebenso charakteristisch für sie wie das Fehlen einer Zielangabe.

Seinen ersten großen Repräsentanten findet der Rock’n’Roll in Bill Haley. Sein Titel "Rock around the clock" wird ein weltweiter Hit. Das "Super-Idol" des Rock’n’Roll aber wird Elvis Presley, ein Bauernjunge und Lastfahrer aus den amerikanischen Südstaaten. "Elvis ist König", schreibt Nik Cohn. Weitere Stars des Rock’n’Roll sind Little Richard, Chuck Berry, Larry Williams und Buddy Holly.

Musikalisch entwickelt sich der Rock’n’Roll unmittelbar aus dem "Rhythm and Blues", einer kommerzialisierten, rhythmusbetonten Abart des "klassischen" Blues bei den Negern der amerikanischen Großstädte. Auf diesen "schwarzen" Ursprung verweisen alle wesentlichen Merkmale des Rock’n’Roll: der harte, wenn auch swingende "Beat" der Rhythmusgruppe (mit Schlagzeug und Bass), die kehlig-rauhe Stimme des Solisten, die in fast allen Stücken anzutreffende 12taktige Blues-Form sowie die Band-Besetzung mit elektrischer Gitarre und Bläsern.

Der Rock’n’Roll wird Anfang der 60er Jahre vom Beat abgelöst. Trotzdem ist sein Einfluss bis heute lebendig geblieben und bei zahlreichen Bands zu erkennen. Er äußert sich einerseits in einer Art "Rock’n’Roll-Revival" - der genauen Nachahmung des historischen Stils - und anderseits in der freien Weiterentwicklung der ursprünglichen Tendenz mit neuem Klang- und Stilmitteln, wie sie im "Hard Rock" oder "Heavy Rock" anzutreffen ist (Ten Years After, Deep Purple, u.a.).

 

Der Beat

Die Rock’n’Roll-Welle zieht Ende der 50er auch Europa in ihren Bann. Gleichsam als ihr Widerhall entsteht Anfang der 60er Jahre in England der Beat.

Außermusikalische Faktoren spielen auch hier eine wichtigste Rolle. In der Zeit seiner Entstehung nämlich ist der Beat nicht nur ein Freizeitobjekt wie viele andere; er ist vielmehr für viele Jugendliche eine Art "soziales Ventil", mit dessen Hilfe seelische und gesellschaftliche Spannungen abreagiert werden, an denen gerade die Hafenstadt Liverpool, die Geburtsstätte des Beat, so reich ist. Beat-Spielen wird um 1962 in England geradezu zur Manie. Allein in Liverpool existieren zu jener Zeit über 400 Beat-Bands. Die meisten Gruppen spielen freilich nur für einen zahlenmäßig beschränkten Fan-Kreis. Einige aber werden überregional oder gar international bekannt: allen voran die Liverpooler Beatles, die erfolgreichste Pop-Band der 60er Jahre überhaupt, und wenige Jahre später die Rolling Stones, die Animals, die Who, die Kinks und andere.

90% handeln von der Liebe, dem Verlangen nach einem "Du". Beatles: "I need somebody to love", "I need you", "Help! I need somebody" (aus "Help"), "All you need is love"; Rolling Stones: "Everybody needs somebody to love" und viele andere. Während die Texte der Beatles aber bei aller Spontaneität und Direktheit stets diskret und unaufdringlich bleiben, gehen die Rolling Stones in ihren erotischen Anspielungen entschieden weiter; so etwa wenn es heißt: "Let’s spend the night together" oder "I just want to make love to you".

Musikalisch vereinigt der Beat Elemente des Rhythm and Blues, des Rock’n’Roll und des um 1960 in England überaus beliebten "Skiffle". Gestützt auf diese Vorbilder entwickeln die Beatles ihren eigenen Sound. Seine Hauptmerkmale: zwei- oder dreistimmiger Gruppen-Gesang und Beschränkung der erheblich größeren Rock’n’Roll-Besetzung auf 3 elektrische Gitarren (Lead-, Rhythmus-, Bassgitarre) und Schlagzeug, das einen gleichmäßig pulsierenden, harten "beat" schlägt.

 

Der Blues-Rock

Die Beziehungen zwischen Blues und Popmusik sind seit jeher eng, wie wir bereits mehrfach sahen. Am engsten aber sind sie wohl im Blues-Rock, in dem junge weiße Musiker nicht nur die musikalischen Eigenschaften, sondern auch die Thematik des alten, "schwarzen" Blues aufgreifen: Rassenprobleme, unglückliche Liebe, Einsamkeit, soziale Ungerechtigkeit, seit neuestem auch die Umweltverschmutzung.

Musikalisch vereinigt der Blues-Rock - der Name drückt es aus - Elemente beider Stilrichtungen. Übernimmt er von der Rockmusik die elektrischen Gitarren (vor allem Lead- und Bassgitarre) mit ihren modernen Spiel- und Klangtechniken, den harten "beat" des Schlagzeugs und das oft schnelle Tempo, so vom Blues die fallenden Melodiephrasen, die kehlige Singweise, traditionelle Blues-Instrumente, wie Mundharmonika und Saxophon, und die Neigung zu ausgedehnten Improvisationen.

Bereits jahrelang in Londoner Clubs zuhause, erlangt der Blues-Rock gegen Mitte der 60er Jahre internationale Beachtung. Seine Hauptvertreter sind Alexis Korner, der "Vater des weißes Blues", John Mayall und Janis Joplin, die "weiße Negerin" Amerikas. Von John Mayall gingen Eric Clapton und Jack Bruce aus, die sich mit Ginger Baker zur Cream zusammenschlossen, einer der musikalisch hochwertigsten Formationen der Popmusik. Dem Bluesrock verbunden sind auch Jimi Hendrix und Canned Heat, sowie gelegentlich Led Zeppelin und Ten Years After.

 

Der Underground oder Polit-Rock

Der Begriff "Underground" ist von der Musik allein her nicht zu definieren, da er weniger musikalische als soziologische Tatbestände beschreibt. Er kennzeichnet das Verhalten von Gruppen, die sich aus Unzufriedenheit mit der Gesellschaft in den "Underground" absondern und in demonstrativ andersartigen, oft provozierenden Formen gegen sie protestieren. Ihr Ziel ist es, alle "restriktiven" (einengenden) Maßstäbe des Denkens, der Kleidung und der gesellschaftlichen Etikette von sich abzuwerfen um schöpferisch ein neues Verhältnis zur unmittelbaren Umgebung und zur sozialen Struktur als Ganzem "zu finden". Im musikalischen Underground äußert sich diese Haltung vor allem in den sozialkritischen und politisch radikalen Texten, bei einigen Gruppen auch in der Verwendung neuartiger Klangmittel (Veränderung der ursprünglichen Bandgeschwindigkeit, Klangverzerrung und Geräuschcollagen).

 

Jazz-Rock

Unter den Musikrichtungen, mit denen die Popmusik in den letzten Jahren Verbindungen eingegangen ist, befindet sich auch der Jazz. Wegen ihrer gemeinsamen Wurzel in der Musik der Neger ist der Verschmelzungsgrad dabei so stark, dass sich häufig kaum entscheiden lässt, ob es sich nun um Popmusik mit Jazzelementen oder um Jazz mit Popelementen handelt. Stilcharakteristisch aber ist grundsätzlich, dass zu den Popinstrumenten (vor allem den elektrischen Gitarren) Jazzinstrumente (Saxophone, Trompeten, Posaunen und Klavier oder Orgel) hinzutreten und den ihnen eigenen Jazz-Sound sowie die im Jazz übliche Improvisationspraxis mitbringen.

Die bekanntesten Vertreter des Jazz-Rock sind Chicago, John McLaughlin, Blood, Sweat & Tears, Soft Machine und Emerson, Lake & Palmer. - In jüngster Zeit haben auch Jazzmusiker, wie Don Elvis, Miles Davis und Wolfgang Dauner, den umgekehrten Schritt vom Jazz zur Popmusik hin vollzogen.

 

Classic-Rock

Auch Einflüsse der "klassischen" Musik hat die Popmusik aufgenommen. Dabei überwiegen Stücke, die auf Kompositionen von J. S. Bach zurückgehen; doch auch bei Beethoven, Tschaikowsky, Mussorgsky und anderen haben Popmusiker Anleihen gemacht.

Eine der frühesten Aufnahmen mit klassischer Vorlage ist "Spicks and Specks" von den Bee Gees, das auf dem ostinaten Bassthema einer Komposition von Johann Pachelbel ("Kanon und Gigue") beruht. The Nice versuchen sich in ihrer Aufnahme "Brandenburger" am 1. Satz des 3. Brandenburgischen Konzerts von Bach.

 

Russischer Rock

Es ist so geschehen, dass Rockmusik in unserem Land sich auf seinem eigenen Weg entwickelte, der unterschiedlich vom westlichen war, obwohl alles ganz ähnlich begann, aber mit zehnjähriger Verspätung. Zuerst war es einfach Nachahmung, aber später wurde der Unterschied sichtbarer.

Die Hauptidee von Rock ist Befreiung, das heißt die Befreiung von allen Sachen, die das Leben der jungen Leute stören. Im Westen protestierten die Jugendlichen gegen die aggressiven militärischen Kreise, Rassisten, Bourgeoisiemoral und Elternnormen.

In Russland war die Situation natürlich anders. Totale Unfreiheit und totale Unwahrheit waren die grundsätzlichen und wesentlichen Hauptideen des russischen Rocks. In unserem Rock waren die Worte am wichtigsten und nicht der Rhythmus, also die Musik, wie es im Westen war.

Alles, was vom Westen kam, war verboten. Rockmusik in Russland war zuerst die Nachahmung. Für die russischen Burschen aus verschiedenen Städten war die Musik von "Beatles", "Black Sabbath", "Rolling Stones", "Depeche Mode" etwas, was die Grenze von Träumen ist. Was mit dem Westen verbunden war, wurde bei uns verboten und sogar verfolgt. Es wurde gesagt, dass westliche Pop- und Rockmusik "schädlich" für die Sowjetjugend war und die Folge - verboten war.

 

anipink06_back.gif