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www.johanneum-lueneburg.de Lehrer Abschied Herbst 2008

Abschied von Martin Sinning

Kurz vor den Herbstferien verstarb für uns alle überraschend unser Kollege, unser Lehrer Martin Sinning.

Im Rahmen einer kleinen Trauerfeier im Johanneum nahmen wir am 31.10.2008 Abschied:

Wir treffen uns heute, um uns gemeinsam an Martin Sinning zu erinnern, der für alle überraschend, scheinbar aus heiterem Himmel, in der Nacht zum letzten Tag vor den Herbstferien gestorben ist. Ich spreche hier als Kollegin und als Kollegin aus dem Fach Religion, die um einen lieb gewonnenen Kollegen trauert.

Ich sehe Martin Sinning vor mir, freundlich, zurückhaltend, in der Pause auf dem Weg über den Schulhof mit einem Becher Kaffee in der Hand. Er drängte sich nicht in den Vordergrund, aber wenn man ihn brauchte, dann war er auch da. Er war zuverlässig und er gehörte zu den Lehrern, die vor den Schülern nie die Beherrschung verloren, er versuchte die Situationen leise zu klären.

Aus Gesprächen mit ihm, gemeinsame Aufsichten bieten dafür genügend Gelegenheiten, war mir aber klar, dass vieles für ihn doch nicht so leicht war, wie es auf den ersten Blick aussehen mochte. Es lag so manche Last auf seinen Schultern. Der Lärm, die zunehmende Hektik und Belastung in der Schule machten ihm zu schaffen. Dazu gehörten das Pendeln und die hohe Zahl der Schüler. Er hat mal geschätzt, wieviele Bilder er in einem Schuljahr begutachten musste und kam dabei gut in den vierstelligen Zahlenbereich. Und jeder, der Kinder hat, weiß, dass Sorgen um Kinder einen mehr drücken als jede andere Sorge. Darüber hat er vielleicht auch zu wenig auf sich selbst achtgegeben.

Aus Gesprächen mit ihm, und darüber hat er auch mit vielen anderen Kollegen gesprochen, weiß ich, dass Martin Sinning Pläne hatte, etwas verändern wollte in seinem Leben. Er überlegte, ob er schon mit 60 oder 63 Jahren aufhören könnte zu arbeiten. Er wollte auf alle Fälle zum nächsten Schuljahr weniger unterrichten, um die Belastung erträglicher zu gestalten. Mit Freude sprach er von seinem Haus auf Pöel, spätestens im Ruhestand wollte er mit seiner Frau dort ganz hinziehen, den Wohnort ändern. Dieses Später hat es für ihn nicht mehr gegeben.

Dazu passen die Worte es 90. Psalms. Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Klug bedeutet ursprünglich: zierlich, hübsch, tapfer, gebildet, es hängt auch mit dem niederländischen „kloek“ zusammen, und das bedeutet: tüchtig, rüstig, mutig, beherzt. Klugheit hat was mit dem Herzen zu tun, nicht nur mit dem Verstand, wir müssen das Richtige tun, was uns unser Herz sagt und uns nicht vom Alltag zerstören lassen. Das fällt uns schwer. Aber es macht uns nachdenklich, dass wir hier schon zum viertenmal in nur drei Jahren Abschied nehmen müssen, von zwei Kollegen, eine Kollegin und ein Schüler. Und einer dieser Kollegen starb ganz ähnlich wie Martin Sinning. Das waren Menschen, die nach unseren Maßstäben noch gebraucht wurden im Leben, sie waren nicht alt und lebenssatt. Die Lücken lassen sich nicht schließen, wir und die Angehörigen müssen mit ihnen leben. Und die Lücken wiederholen die Fragen: Wie gehen wir mit unseren Herzen um, mit unseren Sorgen und unserer Hektik?

 

Diese Schule ist ohne Martin Sinning nicht mehr so wie vorher. Die Atmosphäre wird sich verändern, und die Max- und Moritz- Bilder aus seiner sechsten Klasse, die im Gang zum Lehrerzimmer hingen und soviel Fröhlichkeit ausstrahlten, werden keine Nachfolger haben. Die Lücke wird bleiben.

Das letzte , was mir in Erinnerung ist, ist ein Bild von Emil Nolde, das Martin Sinning mir im September auf eine Folie kopiert hat. Ich brauchte sie für den Unterricht, aber sie hat für mich nun symbolischen Wert. Das Bild gehört zu den religiösen Bildern Noldes, gemalt 1940 schon in der Zeit der Bedrohung des Malers. Auf dem Bild schaut Gott in Gestalt eines alten Gärtners auf seinen Garten, die Blumen sind in kräftigen Farben rot, gelb und blau, und diese Farben gehen dann auch in die Farben des Gärtners über. Es ist die Darstellung eines menschlich aussehenden Gottes, wie er auch in einer der alten biblischen Schöpfungserzählungen auftritt. Das Wachsen der Pflanzen und der Schöpfung beherrscht das Bild. Wir wissen, dass zum Wachsen auch das Vergehen gehört, zum Leben gehört seit Beginn der Schöpfung auch das Sterben. Aber Gott beugt sich liebevoll über seine Schöpfung und wird sie auch am Ende nicht sich selbst überlassen, auch wenn wir nicht wissen, wie die Ewigkeit aussieht.Unsere Fragen danach bleiben ohne Antwort, und wir bleiben nun auch ohne Antwort von Martin Sinning, wir sagen „Adieu“ zu ihm. A Dieu, in wirklichen Sinn, A Dieu „zu Gott hin“.

Ingelies Teichert, Fachobfrau Religion

Autor: Schulleitung -- zuletzt geändert: 10.11.2008 16:48



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