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03.01.2013

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Religion

Vorstellung der Fachgruppe

Warum muss Jesus in die Schule gehen?

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Im Chor der mittelalterlichen Frauenkirche in Nürnberg kann man diesen Schlussstein entdecken. Er heißt "Jesu Schulgang" und zeigt eine energische, ernst und entschlossen blickende Mutter Maria mit dem Jesusknaben an der Hand auf dem Weg in die Schule. In der einen Hand hält sie eine Rute, mit der anderen zieht sie ihr widerstrebendes Kind hinter sich her. Jesus trägt eine viel zu große Schiefertafel und scheint sich nach Kräften zu wehren. Warum muss Jesus in die Schule gehen? Schule und Religion bildeten im 14. Jahrhundert zur Entstehungszeit dieser Kirche eine Einheit. Im Fächerkanon des Mittelalters steht das Fach Religion an der Spitze der Unterrichtsfächer. Das zeigen die alten Stundenpläne des Johanneums bis heute. Bis 1981 befand sich das Fach Religion an erster Stelle in den Zeugnisformularen. Schulunterricht zur Zeit Jesu war Religionsunterricht. Man lernte Lesen und Schreiben, um in der Tora lesen zu können.

Was wird Maria ihrem Sohn geantwortet haben, wenn er fragte: "Warum braucht man das alles?“ "Wir wissen es nicht. Aber heute würde sie vielleicht sagen: Du musst wissen, wo deine Wurzeln liegen. Die Traditionen, aus denen wir leben, unsere Feste und Gottesdienste wirst du nicht verstehen, wenn du nicht die Tora kennst. Die Geschichten unserer Väter und Mütter sind nicht irgendwelche Geschichten der Vergangenheit. Mit ihnen leben wir seit Jahrhunderten. Sie sind die Grundlage unserer Kultur in Musik, Kunst und Literatur." Vielleicht würde Jesus antworten: "Na und, es gibt doch auch noch andere Religionen! Ich finde die römische und die ägyptische Religion viel spannender als unsere!" Und Maria könnte erwidern: "Es kann nicht schaden, sich mit anderen Religionen auseinander zusetzen. Vergleiche sie ruhig! Aber du verstehst sie erst, wenn du einen eigenen Standpunkt in deiner Religion hast. Du wirst Maßstäbe brauchen, wenn du mit ihnen einen Dialog führen willst." Vielleicht wird Jesus heute murren: "Die anderen glauben doch auch nicht an Gott und leben ganz gut dabei. Religion ist altmodisch!" "Ganz und gar nicht", könnte Maria ihrem Sohn antworten. "Du brauchst Orientierung, wenn du dich in der einen Welt mit ihren vielen Völkern zurechtfinden willst. Es ist nicht gleichgültig, was Menschen glauben oder ob sie überhaupt glauben! Das Leben geht nicht im Alltag, in der Arbeit und im Vergnügen auf! Wie willst du für religiöse Fragen offen bleiben, wenn du nichts über Religion weißt?
Und dann", schneidet sie seinen Widerspruch ab, "was ist, wenn dein Leben nicht so verläuft, wie du gern möchtest? Da wirst du einen Halt brauchen. Da können die Antworten der Väter und Mütter des Glaubens dir Trost und Hilfe sein! Kurzum, du gehst da hin. Entscheiden kannst und darfst du dich erst, wenn du weißt, worüber du entscheidest!"

Warum ist der Religionsunterricht in der Schule wichtig? Was ginge verloren, wenn es ihn nicht gäbe?

Durch diesen kleinen fiktiven Dialog sollen die Argumente für den Religionsunterricht spielerisch dargelegt werden. Sie sind nicht neu und galten teilweise zur Zeit Jesu auch schon.

Heute geht es uns besonders darum, dass wir

  • bekannt und vertraut machen mit der eigenen Religion als Grundlage unserer Kultur,
  • sprachfähig sind, um den Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen zu führen,
  • Orientierung geben in einer zunehmend pluralistischen Welt und Gesellschaft, die zu einem globalen Dorf zusammenwächst,
  • uns eine Offenheit für religiöse Fragen erhalten und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Religion nicht in Ethik aufgeht,
  • Hilfe anbieten bei der Bewältigung von Grenzsituationen menschlichen Lebens wie Krankheit, Versagen , Schuld , Tod und Leid.

Im 14. Jahrhundert, als dieser Schlussstein entstand, beschränkte sich der Religionsunterricht überwiegend auf das Auswendiglernen der biblischen Geschichten, der zehn Gebote, des Glaubensbekenntnisses und des Katechismus. Vielleicht schaut Jesus deshalb so unwillig drein. Vielleicht ginge er fröhlicher an der Hand seiner Mutter, wenn er unsere moderne Pädagogik, unsere Lehrbücher und kreativen Unterrichtsmöglichkeiten gehabt hätte? Wer kann das sagen? Wir sind davon überzeugt, dass der Religionsunterricht ein wichtiges Fach in der Schule ist. Es gibt in ihm Zensuren und sie spielen – wie in jedem anderen Fach – bei der Versetzung eine Rolle. Man kann Religion als Prüfungsfach im Abitur wählen. Unserer Schule würde viel fehlen, gäbe es den Religionsunterricht nicht: Er ist ein im Unterrichtsplan fest verankerter Raum, in dem auch Persönliches und Existentielles zur Sprache kommt. Da können Antworten gesucht und ethische Verhaltensweisen eingeübt werden. An außerschulischen Lernorten, wie z.B. den v. Bodelschwinghschen Anstalten in Bielefeld, wird gelebter Glaube "be-greif-bar". Durch Besuche von Synagogen und Moscheen fördern wir den religiösen Dialog. Das macht Mut, selbstbewusst, gelassen und verantwortlich auf die Herausforderungen unserer Zeit zu reagieren.

Karin Aulike

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von links nach rechts:
obere Reihe: Rainer Kunze, Karin Aulike, Martin Sinning (10.10.08), Anne-Theresa Higgins
untere Reihe: Jan Hensen, Inge-Luise Teichert, Gerhard Glombik, Bettina Meincke, Maria Iwamoto

Autor: Stefan Springmann -- zuletzt geändert: 15.10.2008 17:11



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